Sehr geehrte Eltern, liebe Jugendliche und Kinder,
unterstützen Sie uns in der Kinder- und Jugendheilkunde Arbeitetenden. Wir möchten Sie auf Probleme in der Kinder- und Jugendmedizin hinweisen:
A. Berlin ist eine wachsende Stadt, leider wird die Zahl der Kinderbetten seit zwanzig Jahren eher diametral abgebaut, wie sich auch exemplarisch in dem anhängenden Tagesspiegel-Artikel vom 2.7.2024 zeigt:
Kinderkliniken ächzen selbst im Sommer: Ärzte alarmiert über Situation der Kindermedizin in Berlin (tagesspiegel.de)
Teils sind wir seit Jahren immer wieder gezwungen Kinder aus unserer Praxis in die Kinderklinik in Nauen oder Ludwigslust einzuweisen, da es in Berlin keine freien Betten für Kinder und Jugendliche gibt. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Situation nochmals schwieriger. Dies darf und sollte nicht so sein. Die Kinderkliniken brauchen eine bessere Finanzierung, mehr Personal und Betten in der Kinder- und Jugendmedizin.
B. Wir begrüßen sehr, dass neue, in den Muskel zu injizierende Impfungen gegen Meningokokken B und RSV-Passivimmunisierung eingeführt werden. Leider wird seitens der Krankenkassen bzw. des Gesundheitsministeriums versucht, unsere Arbeit nicht entsprechend dem Arbeits-, Personal- und Raumaufwand zu würdigen.
1 - Meningokokken B - Impfung: Die gesetzlichen Krankenkassen und das Gesundheitsministerium bieten uns Arztpraxen 4-9 Euro für die sinnvolle Impfleistung Meningokokken B eines Säuglings/ Kleinkindes an, während zum Vergleich Ihr Tierarzt von Ihnen entsprechend der Gebührenordnung für Tierärzte, für die Impfung Ihres Haustieres 30-70 Euro verlangt. Wir fordern eine Gleichstellung der Arbeit an Ihrem Kind und eine entsprechende Bezahlung. Aus diesem Grund sind die Kinder- und Jugendarztpraxen in den Konflikt mit den Krankenkassen getreten. Sie erhalten somit zur Zeit für die Meningokokken B - Impfleistung bei allen Kinder- und Jugendärzten eine Rechnung, entsprechend der Rechnung für Privatpatienten, da es noch keine Abrechnungsziffer im EBM für die Meningokokken B Impfung bei der Krankenkasse gibt. Diese Rechnung beruht auf der auch schon seit 30 Jahren nicht angepassten Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Bei Problemen der Kostenerstattung durch Ihre Krankenkasse, lesen Sie bitte hier:
Merkblatt Meningokken B
Es sei darauf hingewiesen, dass Ihre Krankenkasse alle anderen Impfungen zwar direkt mit uns abrechnet, wir jedoch auch hier nur 7-20 Euro für die Impfleistung an Ihrem Kind erhalten. Dies ist leider nicht kostendeckend. Als Konsequenz sind Kinder- und Jugendarztpraxen gezwungen immer mehr Kinder in immer weniger Zeit zu impfen. Dies empfinden wir als respektlos gegenüber Ihnen, Ihren Kindern und unserer Arbeitskraft.
2 - RSV-Immunisierung: Der Beratungs-, Arbeits- (inkl. Lager- und Verwaltungs-)aufwand der intramuskulären RSV-Immunisierung mit einem RSV-Antikörper soll uns überhaupt nicht vergütet werden, während die technisch gleiche Gabe von Covid-Antikörper an Risikogruppen während der Pandemie auf dem selben Applikationsweg intramuskulär mit einem dreistelligen Euro-Betrag bezahlt wurde und Apotheker für die alleinige Lagerung und Verwaltung des RSV-Antikörpers etwa 19 Euro erhalten:
https://www.bvkj.de/politik-und-presse/nachrichten/392-2024-09-02-versorgung-von-neugeborenen-und-saeuglingen-mit-dem-rsv-impfstoff-faehrt-gegen-die-wand
https://www.bvkj.de/politik-und-presse/nachrichten/383-2024-07-05-rsv-impf-prophylaxe-fuer-alle-saeuglinge-umsetzung-durch-ungeklaerte-finanzierung-gefaehrdet
Es ist kein Zufall, dass die meisten Kinder- und Jugendarztpraxen in einer eher dunklen kleinen Erdgeschoss-Etage Fließbandmedizin mit meist veralteten Geräten anbieten müssen. Die vorgesehene Finanzierung der Kinder- und Jugendärzte stellt uns im Vergleich zu zum Beispiel Kollegen der Zahnmedizin, Augenheilkunde und Dermatologie deutlich schlechter.
Wir fordern mehr Klinikbetten für Kinder und Jugendliche in Berlin und eine respektvolle Vergütung unserer Arbeit, damit wir Ihnen weiterhin gute Medizin in unseren schönen Räumen mit modernster Technik für unsere jungen Patienten anbieten können. UNTERSTÜTZEN SIE UNS!
Ihr Praxisteam